Essig auf lässig: Das macht die perfekte Flasche aus

Es kann auch Spaß machen, wenn man beruflich nur mit Flaschen zu tun hat: Cornelia Grinschgl (Müller Glas) und David Gölles (Gölles Manufaktur) arbeiten bereits seit Jahren zusammen.
Wer schon mal einen Wein aus dem Tetra Pak in der Hand gehalten hat, weiß: Glas ist einfach die wertigere Verpackung. Warum Glas aber nicht gleich Glas ist und worauf man beim eigenen Packaging achten sollte, zeigen wir dir in diesem Artikel.
Wer im Lebensmittelsektor, vor allem im Bereich Wein, Essig oder Spirituosen, unterwegs ist, hat oft mit Flaschen zu tun. Die gibt es in allen Formen und Farben – bei den Verschlüssen wird die Auswahl meistens sogar noch größer. Sich hier einen Überblick zu verschaffen, ist fast unmöglich. Vor allem, wenn die eigene Kernkompetenz eigentlich in der Erzeugung von Lebensmitteln liegt.
In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die wichtigsten Fragen und zeigen anhand eines Best-Practice-Beispiels, wie’s gemacht wird.
Das richtige Produkt: Qualität kommt von innen
Ein hochwertiges Produkt beginnt schon in der landwirtschaftlichen Urproduktion. Nur wenn die Rohstoffe von bester Qualität sind, wird am Ende auch das Produkt gut, zum Beispiel der Essig. Aber all das nützt wenig, wenn man diese Qualität später im Regal nicht mehr erkennt.
Hier kommen die Expert*innen von Müller Glas ins Spiel: Das österreichische Familienunternehmen ist Spezialist für Lebensmittelverpackungen und bietet an vier Standorten Flaschen, Gläser, Verschlüsse und Umverpackungen für Kund*innen jeder Größenordnung an.
Einer davon ist die Gölles Manufaktur in Riegersburg in der Südoststeiermark. Alois Gölles legte dort 1984 mit seinem Apfel-Balsamessig den Grundstein für die heutige Essigmanufaktur. Was damals ein weltweites Unikat war, ist heute das Aushängeschild eines Betriebs mit rund zwanzig verschiedenen Essigen und ebenso vielen Edelbränden. Seit 2025 führen Sohn David Gölles und Katharina Fleck den Familienbetrieb weiter. Und schauen sich dabei auch das Thema Packaging immer wieder neu an.

Zwei Generationen von Essig-Experten: David Gölles hat vor etwa einem Jahr den Familienbetrieb von seinem Vater Alois übernommen.
Bild: © Ingo Pertramer
Die richtige Flasche: Das G steht für gesehen werden
Gölles ist schon seit Jahrzehnten Kunde von Müller Glas und hat sich in dieser Zeit – wie auch die ikonische eckige Essigflasche – laufend weiterentwickelt. Mittlerweile wird diese als Eigenform produziert, elegante Tiefenprägung inklusive.
Eine Eigenform ist aber nur der Anfang an Möglichkeiten. Neben Farbe und Grundform gibt es zahlreiche Optionen, mit der eigenen Flasche herauszustechen. Wichtig ist aber: Form follows function.
„Eine gute Flasche muss vor allem funktionieren“, erklärt Cornelia Grinschgl, Standortleiterin von Müller Glas in Lebring. Was sie damit meint: Die Auswahl hängt nicht nur vom Inhalt ab. Am Anfang stehen Fragen, die mit Design noch relativ wenig zu tun haben. Wird heiß oder kalt abgefüllt? Händisch oder maschinell? In welchen Stückzahlen? Und landet das Produkt später in der Gastro, im Hofladen oder im Supermarkt?
Denn dort muss die Flasche unterschiedliche Jobs erledigen. „Es macht einen Unterschied, ob ich im Supermarkt schnell auffallen muss oder mich in einem Regionalladen befinde, in dem Kund*innen gezielt nach Spezialitäten suchen“, erklärt Grinschgl.
Und auch zu Hause muss die Sache funktionieren. Eine Weinflasche soll ein Achterl möglichst unkompliziert hergeben. Beim Essig will man dagegen nicht gleich den halben Salat darin ertränken. Form, Haptik und Flaschenmündung gehören deshalb immer zum Produkt gedacht.

Ein elegantes Statement auf jeder Flasche: das G macht die Marke auch ohne Etikett sicht- und spürbar.
Der richtige Verschluss: Offen für alles
Womit wir beim wahrscheinlich meistunterschätzten Teil der Flasche wären: dem Verschluss. Bei den Gölles-Essigen kommt beispielsweise ein PP-Verschluss mit sogenannter Tulpe zum Einsatz. Wie stark der Ausgießer den Essig dosiert, hängt unter anderem von Flaschengröße und Viskosität des Inhalts ab. Auch der Einsatzort spielt wieder eine Rolle: In der Gastronomie darf es schneller gehen, zu Hause soll sich der Essig auch in kleinen Mengen möglichst genau dosieren lassen.
Wichtig ist dabei, Flasche und Verschluss nicht getrennt voneinander zu denken. Genau hier sieht Grinschgl einen der häufigsten Fehler bei Produzent*innen: Flasche, Verschluss und Ausgießer werden bei unterschiedlichen Anbietern bestellt – und passen am Ende nicht hundertprozentig zusammen. Dann tropft es, die Flasche ist nicht dicht oder macht bei der maschinellen Abfüllung Probleme.
Mindestens genauso wichtig ist die Originalitätssicherung. Sie zeigt den Kund*innen, dass seit der Abfüllung niemand an der Flasche herumgeschraubt hat. Möglich ist das etwa über einen Abrissring, eine Schrumpfkappe oder eine Versiegelung.
Und natürlich lässt sich auch beim Verschluss gestalterisch nachlegen: Druck, Prägung und andere Veredelungen sind möglich. Bei Gölles wurde darauf bewusst verzichtet. Dort darf die Flasche selbst die Hauptrolle spielen.

Keine Verschlusssache: Cornelia Grinschgl teilt ihre Expertise und Erfahrung zum Thema Ausgießer und Verschluss.
Die richtige Veredelung: Alles ist möglich
Beim Essig bleibt Gölles also bewusst eher klassisch. Die markante eckige Flasche ist seit Jahrzehnten Teil des Markenbilds und wurde deshalb nie komplett neu erfunden, sondern Schritt für Schritt weiterentwickelt. Erst kam die Eigenform, später die Tiefenprägung mit dem „G“ im Glas, zuletzt wurde auch das Etikett überarbeitet.
Gerade beim Etikett geht es aber nicht nur um Gestaltung. Pflichtangaben, Lesbarkeit und rechtliche Vorgaben müssen genauso mitgedacht werden. Müller Glas steht seinen Kund*innen bei diesen Fragen beratend zur Seite.
Dass David Gölles beim Packaging auch deutlich mutiger kann, hat er schon vor der Übernahme des Familienbetriebs gezeigt. Mit seinem house of whiskey, gin & rum entwickelte er eigene Spirituosenlinien, bei denen die Verpackung deutlich stärker zum Blickfang wurde. Zum Einsatz kamen dabei unterschiedliche Veredelungen: Beschichtung und Siebdruck beim Rum, Siebdruck auf gefärbten Flaschen beim Gin und eine Reliefprägung beim Whiskey.
Der Vergleich zeigt anschaulich, wie Packaging funktionieren kann: Beim etablierten Essig geht es vor allem darum, eine bekannte Form behutsam weiterzuentwickeln. Bei neuen Spirituosen darf die Flasche dagegen stärker auffallen und selbst Teil der Markenidee werden.
Entscheidend ist also nicht, möglichst viele Veredelungen auf eine Flasche zu packen, sondern jene auszuwählen, die zum Produkt, zur Marke und zum Auftritt im Regal passen.

So edel wirken Flaschen nur mit der richtigen Veredelung: Auch bei seinen Spirituosen arbeitet David Gölles intensiv mit Müller Glas zusammen.
Das richtige Endergebnis: Das Auge kauft mit
Die Verpackung macht aus einem durchschnittlichen Produkt noch lange kein gutes. Umgekehrt kann aber auch ein richtig gutes Produkt an Wert verlieren, wenn man ihm seine Qualität von außen nicht ansieht.
Deshalb lohnt es sich, über die Flasche nicht erst fünf Minuten vor der Abfüllung nachzudenken. Wie wird abgefüllt? Wo wird verkauft? Wer verwendet das Produkt? Wie soll es sich anfühlen? Und wie soll die Flasche schon aus ein paar Metern Entfernung auf zukünftige Kund*innen wirken?
Wer darauf Antworten hat, ist der perfekten Flasche schon ziemlich nahe.


